Folge 45: Modellbahnverein “Hagelheini”

oder: “Was macht Opa eigentlich immer so lange im Keller?”

Ein kleine Hommage an die Macher von Eisenbahnromantik und besonders an den “Hagelheini” im Stil einer etwas anderen Eisenbahngeschichte. Ich hoffe das “Eisenbahnromantik”-Team und insbesondere Herr Ortloff haben nichts gegen diese augenzwinkernde Karikierung 😉

Die Handlung

Die kleine Annika hat sich immer schon gefragt, wo auf Opa’s Modelleisenbahn denn der Hund zu finden ist. So wendet sie sich mit einem Bild an das Team von Opas Lieblingssendung, welches eine extra Folge dafür dreht. Neben dieser Frage gibt es dann aber noch viele andere spannende und lustige Dinge zu erzählen… Am Ende lernt der Zuschauer nicht nur etwas über Annika’s Opa, sondern auch ein wenig über die deutsche Nachkriegs- und Eisenbahngeschichte.

Ein paar Hintergrundinfos

Der Film entstand bereits in 2009, kurz bevor die echte Eisenbahnromantik-Folge 727 erschien. Daher die Nummer im Abspann. Sie ist also rein zufällig zustande gekommen und hat nichts mir der Folge “Die Ruhr und ihr Pott” zu tun.

Die Modelleisenbahnanlage

Wie im Film bereits erwähnt, ist die Epoche der Anlage die →Epoche III (und vielleicht etwas von Epoche IV, sonst wäre “Ludmilla” nicht dabei). Das bedeutet, es wird die auslaufende Dampflokzeit dargestellt. Aber viele Strecken sind auch schon elektrifiziert. So sind Lokomotiven in Dampf-, Diesel- und Elektroausführung zu sehen, was die Zugfahrten schön abwechslungsreich macht. Die Anlage ist im gängigen H0-Maßstab gehalten, also in 1:87. Auf gut 20m² sind einige Dutzend Lokomotiven bzw. Züge untergebracht. Dazu gibt es drei Schattenbahnhöfe.

Die gesamte Anlage wird “analog” gesteuert, d.h. Züge und Magnetartikel werden über die bekannten Trafos und Stelltaster mit Strom versorgt. Im Film ist im Hintergrund ab und zu das dazu selbstgebaute Stellwerk zu sehen (z.B. gegen Ende, wo die 23 umsetzt). Dieses ist mit bistabilen Relais für Signale und Weichen und LED-Belegtmeldern ausgestattet. Somit kann ein für analoge Steuerung recht anspruchsvoller Betrieb mit 3-5 gleichzeitig fahrenden Zügen durchgeführt werden.

Trotz des “Analogstroms” gibt es schon erste Lokomotiven mit digitalem Sound. Diese Decoder liefen dann natürlich im Analogmodus. Dies ist bei der 01 auf der Drehscheibe zu hören. Aus heutiger Sicht ein eher “einfacher” Sound, aber so war das eben “damals” :-). In den 10 Jahren hat sich da sehr viel getan.

Die im Film angeschnittene gesamte Anlagen-Digitalisierung erfolgte dann tatsächlich wenige Jahre später. Somit betrug die Bauzeit der Anlage – mit einigen Pausen und vielen Umbauten – ca. 25 Jahre. Sie existiert heute nicht mehr, daher ist dieser Film auch eine schöne Erinnerung und ein Dokument der mittlerweile fast veraltetet anmutenden Technik.

Übrigens: Die im Abspann (und natürlich im Film!) gezeigten Häuser sind maßstäbliche Modelle von tatsächlich existierenden Gebäuden. Der “Hagelheini” weiß schon, wem er das zu verdanken hat 😉

Die Produktion

Für den Film waren umfangreiche Vorbereitungen notwendig. Unter Anderem wurde ein besonderer Kamerawagen konstruiert, der für die Aufnahmen aus Lokführerperspektive (Führerstandsmitfahrten) benötigt wurde. Das hat sehr viel Zeit beansprucht. Mehr dazu weiter unten.

Des Weiteren musste eine schöne Story her. Einfach nur ein paar Züge zu zeigen und dazu Opa’s zufriedenes Gesicht wäre schön, aber nicht unterhaltend genug (für andere Zuschauer). So entstand nach und nach die Idee, Opa’s Geschichte anhand seines Hobbys zu erzählen. Und wenn die Kreativität erstmal geweckt ist, kommen die dollsten Einfälle… und so wurde die Geschichte noch in eine Eisenbahnromantik-Folge mit Anmoderation eingebaut. So waren sowohl technisch als auch im “Storytelling” zwei Highlights definiert: Es konnte losgehen!

Nach zeitintensiven Dreharbeiten – mehrere Wochenenden waren erforderlich – war dann Rohmaterial im Umfang von ca. 10h im Kasten. Und wer eine eigene Anlage sein Eigen nennt, kann in etwa nachvollziehen, wie lange das dauert: “Fahr doch mal eben den Zug da so her!”… “Ja, Moment, dazu muss erstmal die Strecke frei werden und dann noch etwas rangieren. Oh, da hat sich gerade irgendwo ein Wagen abgehängt…”. Es sind dann ganz schnell 4-5 Versuche oder mehr notwendig, bis eine Szene richtig im Kasten ist. Neben dem Videowagen kam auch noch eine normale Videokamera zum Einsatz. Der einzelne Take konnte dann schonmal 1-2 Stunden dauern, bis aus zwei Perspektiven alles richtig “im Kasten” ist und die Technik nirgendwo gestreikt hat. Anlagen- und Aufnahmetechnik mussten perfekt funktionieren (und die Bediener natürlich auch :-), was eben nicht immer auf Anhieb funktionierte. Insbesondere das Timing der Zugbegegnungen mit realistischen Geschwindigkeiten war eine große Herausforderung. Und das alles mit Analogsteuerung! Da muss man Fahrzeuge und Anlage schon in- und auswendig kennen, um das hinzubekommen. Gleichzeitig zum eigentlichen “Züge fahren lassen” musste ja auch der Kamera-Schwenkmechanismus bedient, die Live-Aufnahmen kontrolliert, eine zweite Kamera gesteuert, das Licht im Auge behalten werden usw. usw. Es hat natürlich auch viel Spaß gemacht, aber es war doch schon ein richtiges Stück Arbeit.

Das Rohmaterial wurde anschließend in vielen, vielen Stunden am PC geschnitten, nachvertont usw. Das Bessere ist auch hier des Guten Feind, so dass man sehr lange experimentiert, bis Story und Eisenbahn perfekt ineinandergreifen. Aber ich denke, das Resultat kann überzeugen. Ursprünglich wurde der Film im Seitenformat 4:3 erstellt. Für diese Veröffentlichung wurde er aber auf das modernere 16:9 “remastered”.

Für den privaten Gebrauch ist der Film – nebst einigem Bonusmaterial – auch als DVD erschienen. Und nein, diese ist NICHT käuflich erhältlich 😉

Im nachgemachten Eisenbahnromantik-Vorspann des Films ist übrigens →die BR89 von Märklin in Spur 1 zu sehen.

Technik

Kamerawagen mit Dreheinheit

In vielen Modellbahn-Führerstandsmitfahrten lässt sich beobachten, dass die Perspektive den relativ engen Kurven zum Opfer fällt. Das bedeutet, dass auf längeren Geraden sehr schön die Strecke vor der Lokomotive zu sehen ist. Kommt aber jetzt eine Kurve, “blickt” die Kamera zeitweise nicht mehr entlang der seitlich verlaufenden Gleise, sondern noch weiter “geradeaus” gegen eine Wand oder “in die Gegend”. So sind in Kurven kaum Gleise zu sehen; die Gleise führen sofort seitlich aus dem Bild heraus. Der gewollte Effekt der Führerstandsmitfahrt geht dann verloren.

Daher hatte ich mir überlegt, dass es optimal wäre, die Kameraausrichtung in den Kurven nachzuführen. Das konnte natürlich nur ferngesteuert erfolgen. Also baute ich ein RC-Servo an die Kamera, so dass diese ca. +/- 30 Grad “zur Seite” gucken konnte. Leider erwies sich die Umsetzung in der Umgebung der Modellbahn mit vielen elektromagnetischen Störquellen als sehr schwierig. Das RC-Servo zuckte unkontrolliert und die Kamerabilder waren völlig unbrauchbar. Letzlich brachte ein softwarebasierter Tiefpassfilter (→die AVRs lassen grüßen!) die gewünschte “Ruhe” in das Servosignal. Jetzt war es möglich, die Kamera “in die Kurve hinein” blicken zu lassen, so wie es auch ein Lokführer automatisch macht. Das Ergebnis: Großartig! Auch in engsten Kurven hat man jetzt als Zuschauer das Gefühl, immer die Strecke und Lage “im Griff” zu haben. Das Schwenken fällt absolut nicht auf, die Bewegung ist sehr natürlich. Achtet beim Schauen des Films mal auf diese Kamerasteuerung!

Das war der allererste Teil… Schon allein die Vorbereitungen für diese Komponente brauchten mehrere Wochen.

Eine Video-Funkstrecke

Irgendwie musste das Kamerabild aber jetzt vom Eisenbahnwagen zu einem Aufzeichnungsgerät. Dazu stand eine 2,4GHz-Videofunkstrecke zur Verfügung. Diese wurde modifiziert und der kleine Empfänger mit Stromversorgung an die Kamera gebaut. Für alle Komponenten war letztendlich ein ganzer D-Zug-Wagen erforderlich, vollgepackt mit Technik:

  • Farbkameramodul
  • Schwenkmechanismus
  • Kamera-Stromversorgung (12V)
  • Sender der Funkstrecke
  • Funkstrecken-Stromversorgung (5V)
  • RC-Empfänger (ebenfalls 5V)
  • AVR mit Software-Tiefpassfilter
  • Stromversorgung aus der Schiene (mit aufwendigen Filtern werden Störungen geblockt)
  • Stützakku (denn die Schiene führt auf einer Analoganlage nicht immer Spannung. Ohne den Schienenstrom ging es aber auch nicht, da ein Akku nicht genug Kapazität gehabt hätte: nur ca. 15min!).

Leider habe ich nach dieser langen Zeit keine Bilder dieses Spezialwagens mehr gefunden.

Empfangsseitig musste die Funkstrecke ebenfalls mit Strom versorgt werden. Die nächste Herausforderung war die Positionierung des Empfängers. Dadurch, dass die Aufnahmen in einem Keller mit schööön viel Stahlbeton gemacht werden mussten, war die Funkqualität nicht optimal (hie und da sieht man immer noch kurze Bildausfälle im Film, aber das war nicht zu vermeiden).

Das stationäre Videosignal konnte dann mittels Videograbber und einem Laptop aufgezeichnet werden. Auch hier war viel Optimierung nötig, bis das Signal flüssig und in bester Qualität auf der Festplatte war. Es war eben kein High-End-Laptop… Aber nichtsdestotrotz: Es konnte jetzt mit den eigentlichen Aufnahmen losgehen!

Jetzt ist der Streifen online: Eure Meinung ist gefragt!

Ursprünglich war der Film nur für den privaten Gebrauch erstellt worden. Aber er ist recht gut gelungen, so dass vielleicht noch mehr Zuschauer Freude daran haben könnten?! In diesem Sinne ist das auch ein Experiment… Ich bin gespannt auf eure Meinung!

Euer



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