Wer hat schon unbegrenzt Platz für sein Hobby? Aus dem einfachen Wunsch für mehr nutzbaren Raum ist schon so manche gute technische Lösung entstanden. Die an sich einfache Aufgabe ist hier die Überwindung eines Höhenunterschieds auf der Modellbahn (→wie beim Aufzugs-Konzept).

Die Sammlung

Sei es, dass bei großen Maßstäben kein Platz für Wendeln zur Verfügung steht (→siehe Gleisplan), oder dass der Aufzug mit dem optischen Reiz eines Vitrinen-Schattenbahnhofs kombiniert wird: Trotz des Aufwandes sprechen mehrere Gründe für den Einsatz eines Aufzuges. Die Königsklasse sind dann diejenigen, bei denen die Hubvorgänge vollständig in die Automatik der Anlage integriert wurden. So oder so: Es ist schon spannend, was alles schon realisiert wurde.

Mit der Zeit ist hier eine Sammlung von Modellbahn-Aufzügen entstanden. Die vollständige Liste könnt ihr der Tabelle ganz unten entnehmen. Hier einige Highlights, bei denen ich technische Besonderheiten hervorgehoben habe. Und →meine eigene Lösung möchte ich euch natürlich nicht vorenthalten.

Die drei Aufzugs-Basistypen

Trotz der hohen Anzahl an Aufzügen gibt es drei grundlegende Konzepte:

Konzept 1: Der Paternoster

Wie der Name schon sagt, gibt es zwei synchron laufende Kettentriebe und die daran hängenden Gleisgondeln laufen an den Ketten hängend mit. Wesentlicher Aspekt ist bei diesem Typ die Speicherung von Zügen und weniger die Überwindung eines Höhenunterschieds (obwohl das technisch möglich wäre). In der Regel laufen die Ketten in der Form eines stehenden Ovals, so dass die Gondeln wie beim Paternoster herauf-, dann um die Umlenkung herum und wieder herunter um die untere Umlenkung herum im Kreis geführt werden.

Paternoster-Aufzug für H0 (Tabelle Nr 5)

Die Ein- und Ausfahrt ist grundsätzlich an beiden Enden des Aufzugs möglich. Zu beachten ist, dass bei größeren Maßstäben und insbesondere bei ungleicher Beladung teilweise sehr hohe Kräfte auf die tragenden Ketten wirken. Gleichzeitig muss natürlich eine ausreichende vertikale Stellgenauigkeit erreicht werden, damit es beim Auf- oder Abfahren nicht zu Problemen kommt. Üblich sind zwischen 10 und 20 umlaufende Gleisgondeln. Manchmal sind pro Gondel auch zwei parallele Gleise verbaut. So kann gleichzeitig ein Zug auf und einer abfahren oder Zugkreuzungen sind möglich. Vom mechanischen Aufwand her sind diese Systeme schon recht anspruchsvoll.

Pasternoster-Aufzug für Spur 1 in sehr großer Bauform (Tabelle Nr 1)
Quelle: →Spur-G-Blog

Konzept 2: Die Vitrine (engl. Showcase)

Ein sehr häufiger Typ ist die Variante, bei der eine Anzahl von Gleisen vertikal übereinander angeordnet ist und dieser Verbund als Ganzes wiederum vertikal verfahren werden kann. Wird die Vorderfront offen oder mit Glas ausgeführt, so erfüllt der Aufzug gleichzeitig die Funktion einer Vitrine und man kann die abgestellten Züge auch ohne Anlagenbetrieb betrachten. Hier sind zwischen wenigen und bis zu zwanzig Gleisen oder mehr möglich; je nach Maßstab.

Typischer Vitrinenaufzug (Tabelle Nr 8)

Die Vitrine kann ebenfalls beidseitig befahren werden; auch mehrere Abgänge auf verschiedenen Höhenniveaus wären technisch machbar. Als fast schon klassischer Antrieb kommt bei diesem Konzept die Gewindespindel mit Mutter zum Einsatz. Je nach Ausführung sind das einfache Spindeln aus dem Baumarkt oder auch gehärtete Trapezgewindesysteme. Ein Vorteil des Konzepts ist, dass es nur eine Stellrichtung gibt ohne weitere bewegliche Elemente. Das ist mechanisch noch gut handhabbar.

Vitrinen-Aufzug in Spur Z mit vielen Stellplätzen (Tabelle Nr 9)

Konzept 3: Der Hubtisch

Beim Hubtisch steht explizit nicht die Speicherung von Zügen im Vordergrund, sondern tatsächlich die Überwindung eines Höhenunterschieds. So findet man meist nur ein einziges Gleis vor, welches über eine Mechanik angehoben und abgesenkt werden kann.

Hubtisch-Aufzug für Spur G (Tabelle Nr 3)

Rein mechanisch also auch eher moderater Aufwand. Für →meine Spur 1-Anlage habe ich →dieses Konzept gewählt, um trotz fehlenden Platzes für eine Wendel nicht auf einen Schattenbahnhof verzichten zu müssen. So habe ich ca. 4m² “toten” Raums gespart.

ebenfalls eine Hubtisch-Variante mit großer Stellgeschwindigkeit (Tabelle Nr 23)

Gemeinsame Anforderungen

Die Anforderungen an ein solches System (wie ich sie →im Beitrag auch schon für meine Zwecke formuliert habe) sind in der Regel immer sehr ähnlich:

  • mit ausreichend Kraft stellen: Je nach Maßstab und Anzahl der Gleise mit bewegten Zuggarnituren kann da schon einiges an Gewicht zusammenkommen
  • mit ausreichend (Wiederhol-) Genauigkeit stellen: Größere “Stufen” im Gleis sind ungünstig, also muss sehr präzise an der richtigen Position gestoppt werden. Gerade bei kleinen Maßstäben (N oder Z) sind die Toleranzen eng und es kommt sehr darauf an. Grundsätzlich gilt es, den richtigen Kompromiss aus Stellgeschwindigkeit, Kraft und Genauigkeit zu finden.
  • Sicherheit
    • wegen der erwähnten großen Kräfte muss hier auch an mögliche Gefahren gedacht werden. Quetschen und Abscheren muss vermieden werden
  • Automatisierung
    • Anschluss an die Zentrale für Steuerbefehle
    • Rückmeldung des Zustandes an die Steuerung
    • Je nach Typ des Aufzugs muss dieser passend in der Software abgebildet werden. Für den Hubtisch bietet sich hier eine Weiche an (zwei Zustände). Für Paternoster und Vitrine kommt die Logik einer Drehscheibe bzw. Schiebebühne sehr ähnlich.
  • Komfort:
    • Schneller Stellvorgang
    • leiser Stellvorgang
    • einfacher Stellvorgang (Grad der Automatisierung)
    • Zustandsanzeige

Aufzug-Highlights

Das muss man gesehen haben: Ein paar besondere Lösungen hier im Schnellportrait. Die Bilder führen dann direkt zu den Quellen bzw. Videos:

Das längste Gleis

Quelle: →Spur-G-Blog (Tabelle Nr 1)

Mit 5m Gleislänge ist der Paternoster von →Kesselbauer die einsame Spitze. In diesem Video ist der Mechanismus mit Spur 1-Zügen bestückt.

Der Schnellste

Im Video ist der Aufzug erst relativ weit hinten zu sehen (Tabelle Nr 24)

Einen Rekord stellt die Hubgeschwindigkeit von diesem Aufzug dar: Das dürften ca. 200mm pro Sekunde sein. Leider ist mir nicht bekannt, welcher Antrieb hier zum Einsatz kommt.

Der Ausgefeilteste

Tabelle Nr 29

Dies ist der einzige Aufzug in dieser Sammlung, der zusätzlich zur Hubbewegung auch noch eine Drehung um die Hochachse ausführen kann. So können einerseits Anschlussgleise in verschiedenen Winkel erreicht werden, andererseits ist aber auch eine komplette Zugwende möglich, so dass der Zug aus dem Einfahrtsgleis gewendet wieder ausfahren kann. Toll! Dafür entsteht aber auch großer Platzbedarf.

Der Komplexeste

Tabelle Nr 17

Eigentlich sind es hier zwei Vitrinen mit einem Hubtisch, die nah beieinander und mit mehreren Gleisen angeordnet sind. So ist die Mechanik nicht sehr komplex, aber man überlege sich die Logik für einen automatisierten Betrieb. Schon die Bedienkonsole bietet offenbar einiges an Einstellmöglichkeiten…

Der Leiseste

Tabelle Nr 34

Einer der leisesten Aufzüge ist… meiner 🙂 ! Trotz der maßstabsbedingten großen Kräfte und der mittleren Hubgeschwindigkeit hält sich das Geräuschniveau dank Zahnriemen und Dämpfungsgummis auf einem sehr niedrigen Niveau.

Tabellarische Übersicht

→Hier geht’s zur Datenbank der Modellbahn-Aufzüge. Viel Spaß beim stöbern!

DoktorRail