Folge 50 – Von der BR 55 zur Oldenburger G7 (Teil 4)

Dieser letzte Teil der Umbauserie beschäftigt sich mit dem Tender und weiteren Details:

Die bisherigen Teile findet ihr hier:

Der Tender

Nachdem die Lok fertiggestellt ist, geht es an den Umbau des Tenders. Wie man der Ansicht von 55 und G7 entnehmen kann, ist der Tender grundsätzlich ähnlich, aber z.B. die Kontur mit dem hohen Kohlenkasten muss geändert werden:

Strengenommen ist der G7-Tender sogar etwas kürzer. Doch diese ca. 4mm habe ich mir geschenkt. Den Unterschied sieht man nur bei sehr genauem Hinsehen an der Achsanordnung. Beim oberen Tender ist die mittlere Achse nicht ganz mittig bzw. die linken beiden Achsen bei der G7 sind etwas näher beisammen. Nach dem Zerlegen des BR55-Tenders sieht das Ganze so aus:

Die Radreifen sind hier bereits rot gestaltet. Im Hintergrund ist ein Holzkasten auf dem Tenderchassis zu erkennen. Mehr dazu weiter unten. Zusätzlich sind im ganzen Tender noch ca. 500 Gramm Bleigewichte verteilt. Der Originaltender ist für mein Empfinden zu leicht und neigt in “engen” 1020er-Kurven zum Entgleisen. Nun geht es an die Umgestaltung des Tendergehäuses. Dafür mussten zunächst seitliche Kanten abgefräst werden.

Fräsen, Spachteln, Schleifen…

Danach kann der Wasserkasten erhöht und der Kohlenrahmen angepasst werden (siehe die Abrundungen links im unteren Bild). Um etwas Arbeit zu sparen, wurde der Kohlenrahmen nach hinten verlängert, jedoch wurde die vorhandene Wartungsklappe/Wasserklappe integriert. Damit die Klappe für eventuelle, fiktive “Wartungsarbeiten” erreichbar ist, ist in die hintere Rückwand ein “Mannloch” integriert. Der obere Abschluss des Brennstoffkastens wurde nochmal – altbautypisch – mit einer Zierleiste versehen.

Torf statt Kohle

Nach dem Grundieren und Lackieren stellt sich die gewünschte “G7-Optik” ein. Toll! Als besonderes Extra wird der Tender nicht mit Kohle, sondern mit Torf als Brennstoff gefüllt. Dazu werden Modellbauziegel farblich behandelt und mit weißer Pulverfarbe “verschimmelt”. Die ersten oldenburger Lokomotiven fuhren tatsächlich mit Torf, da regional vorhanden und günstig. Die G7 war aber ca. 30 Jahre später dran, längst hatte man aufgrund des besseren Heizwertes auf Kohle umgestellt. Aus regionaler Verbundenheit bzw. als Erinnerung an diese Anfangszeit soll dieses G7-Modell aber auch mit Torf fahren.

Links gut zu erkennen die original belassene Wasserklappe. Außerdem ist der Tender randvoll mit Torf… es kann losgehen!

Lautsprecher

Im Tender

Der oben bereits erwähnte Holzkasten im Tender dient als Resonanzraum für den zweiten Lautsprecher (Bass). Im Kessel ist ja bereits der Hoch-/Mitteltöner installiert. Links vom Kasten im Tender sind wieder Kondensator und Spule der Frequenzweiche zu erkennen. Dieser Lautsprecherumbau ist schon der vorangegangenen Digitalisierung der 55 zu verdanken. Obwohl der Lautsprecher nur 4cm Membrandurchmesser hat, ist der Sound absolut voll und satt.

Im Kessel

Zum Vergleich dazu nochmal der Hochmitteltöner im Kessel. Die Frequenzweichen-Bauteile sind gestapelt, damit der Raum im Kessel gut genutzt. Ist. Im vorderen Bereich des Kessels soll noch Raum bleiben z.B. für einen späteren Rauchgenerator.

Details

Zierleiste

Relativ kurzfristig fiel mir dieser Unterschied im Detail ins Auge und spontan habe ich diese Änderung umgesetzt: Die Zierleiste am Dach. Fällt im Prinzip gar nicht auf, aber ich konnte es mit relativ geringem Aufwand “mitnehmen”. Im unteren Bild sind auch nochmal die nun gleich großen Fenster zu sehen. Der Rahmen um das linke Fenster wurde ja auch entsprechend angepasst.

Ätzschilder

Ein Highlight und wirklich das i-Tüpfelchen auf diesem besonderen Unikat sind letztendlich Ätzschilder mit loktypischer Beschriftung. Dafür müssen relativ aufwendige Masken erstellt werden, die dann von einer externen Firma zur Belichtung bzw. Ätzung benötigt werden. Als Beispiel hier die Maske der Plakette “DoktorRail”. Das ist natürlich ein fiktives Schild und kein Original. Aber irgendwie wollte ich mich schon auf dem Modell “verewigen”: Die linke Nummer setzt sich zusammen aus den Typenzahlen BR 55 und G7 => 557. Die 2020 ist dann das Fertigstellungsjahr des Modells. Wie an anderer Stelle bereits erwähnt, hat der Umbau sich weit über zwei Jahre gezogen. Ich schätze mal, dass es am Ende einige Hundert Stunden waren.

So kommen die Ätzschilder an: am Stück in einem sog. “Nutzen”. Dann gilt es, diese vorsichtig herauszulösen und gerade an die richtigen Stellen zu kleben. Das Ätzschild-Wappen der G.O.E. macht sich an einem historischen Wagen des Museumszuges schonmal sehr gut. Es ist übrigens nur ca. 6mm hoch. Man muss mit bloßem Auge schon sehr genau hinsehen:

Hier nun das Trio aus G.O.E.-Wappen, dem DoktorRail-Emblem und einem nachgeahmten Hanomag-Schild. Die laufende Nummer 6404 der G7 ist fiktiv, das Baujahr 1912 aber typisch für die G7. Am Schluss noch das Lokschild “Ofenerdiek”. Damals hatten die Loks keine Nummern, sondern Namen. Dieser Tradition komme ich hier gerne nach.

Gebrauchsspuren

Hier und da werden jetzt noch ganz dezente Wasser- und Gebrauchspuren angedeutet. Die Lok ist ja in sehr gutem Zustand, fährt aber regelmäßig im Museumsbetrieb. Das muss man natürlich auch sehen können.

Fazit

Mit dem fertigen Tender ergibt sich endlich, nach langer Bauzeit, ein geschlossenes und stimmiges Gesamtbild. Mit Details wie den Ätzschildern ist der gelungene Umbau vollendet. Die →G.O.E. fährt wieder!

Ein →paar abschließende Bilder und ein Betriebsvideo gibts hier.



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