Blöcke & Rückmelder

Der Gleisplan: Blöcke und Rückmelder

Schon bei der Gleisplanung sollte man sich Gedanken machen, welche Blöcke später wo liegen sollen und welche Rückmelder dazu erforderlich sind. →Blöcke sind Gleisbereiche, in dem sich immer nur maximal ein Zug befinden kann. Die Ausfahrt aus einem Block wird erst dann freigegeben, wenn der nachfolgende Block frei ist. So sind Zugkollisionen bei richtiger Konfiguration ausgeschlossen. Im DoktorRail-Beitrag Gleisplan-Update sind die Abschnitte gezeigt (von rechts unten gegen den Uhrzeigersinn):

  1. Aufzugsblock
  2. Strecke
  3. Industriegleis
  4. Stumpfgleis “Stellwerk” bzw. “Dieseltankstelle”
  5. Bahnhofsgleis
  6. Durchfahrgleis
  7. Ladegleis
  8. Stumpfgleis “Wald”
  9. Ausziehgleis

Wegen des begrenzten zur Verfügung stehenden Platzes (siehe Gleisplan auf 12 m²), aber auch wegen der Länge des Aufzugs ist die maximale Zuglänge auf 1400 mm festgelegt.

Fahrstraßen

Somit ergeben sich jetzt schon (unabhängig von Rückmeldern etc) die Fahrstraßen, jeweils von Block zu Block:

  • Aufzug nach Strecke
  • Strecke nach Bahnhofsgleis
  • Durchfahrgleis nach Stumpfgleis Wald
  • Stumpfgleis Wald nach Durchfahrgleis
  • Durchfahrgleis nach Strecke
  • Strecke nach Aufzug
  • … das soll hier nur ein beispielhafter Auszug sein. Tatsächlich sind es einige Dutzend Fahrstraßen!

Man erkennt, dass hier schon bei relativ wenigen Blöcken viele Fahrstraßen zusammenkommen. Das ist gleichbedeutend mit abwechslungsreichem Fahrbetrieb! Aus den einzelnen Fahrstraßen werden dann komplette Fahrpläne (oder z. B. bei Windigipet “Zugfahrten”) logisch kombiniert. Doch halt: Wie wähle ich erst einmal passende Rückmelder aus und vor allem: Wohin setze ich sie?

Rückmelder

→Rückmelder sind die “Augen” der Modellbahn-Automatisierung und geben ein Feedback an die Steuerungssoftware (bei Rocrail heissen die Rückmelder tatsächlich fb für “Feedback”). Immer haben sie eine boolsche Logik (an oder aus). So weiss die Software, an welchem Teil der Strecke sich ein Zustand geändert hat und führt dann ggf. entsprechende Aktionen aus (siehe dazu auch Link TBD Rocrail Automatisierung).
Grundsätzlich gibt es mehrere Rückmeldertypen (Link TBD), hier werden zwei wichtige Grundarten unterschieden: Punkt- und Linien-Rückmelder.

Punkt-Rückmelder

Punkt-Rückmelder geben den “Belegtstatus” an genau einem Punkt der Gleisstrecke an. Das kann z.B. eine Lichtschranke sein oder ein Taster am Ende eines Stumpfgleises. Der Übergang von einem “falsch”- auf ein “wahr”-Signal zeigt also dann, das sich jetzt ein Zug an dem Punkt befindet. Es wird nicht übermittelt, in welche Richtung der Zug fährt oder zum Beispiel wie lang er ist.

Linien-Rückmelder

Linien-Rückmelder melden, ob sich ein Zug (oder Wagen) in einem bestimmten Gleisbereich befindet. Hier findet also nicht nur eine punktuelle, sondern eine streckenweise Überwachung statt. Dieser Rückmelder wird auch Gleisbesetztmelder oder kurz GBM genannt. Er wird in der Praxis häufig eingesetzt. Für unseren Spur 1-Maßstab von 1:32 kommt als Gleiskörper einer mit unterschiedlich stromleitenden Schienen zum Einsatz. Dieses nennt man Zweileitersystem. Ob hier Gleichspannung, Wechselspannung oder ein Digitalsignal anliegt, spielt keine Rolle. Üblicherweise muss man in diesem Fall für einen GBM ein System einsetzen, welches den Stromfluss im zu überwachenden Gleisabschnitt misst. Übersteigt der Strom einen Grenzwert, wird ein Verbraucher (Lok, Wagen mit Achswiderstand) erkannt und der Rückmelder gibt ein “Belegt”-Signal an die Zentrale. Wesentlicher Unterschied zum Punkt-Rückmelder ist die Tatsache, dass hier z.B. ein ganzer Block als “nicht belegt” gemeldet werden kann.

Somit steht nun fest: Durch das Zweileitersystem müssen wir Stromfühler als Rückmelder einsetzen, um ganze Abschnitte zu überwachen. Punkt-Rückmelder sind da sinnvoll, wo Gleise enden (z.B. beim Aufzug oder bei Stumpfgleisen).

Einteilung in Rückmelderabschnitte

Gemäß den obigen Vorbedingungen kann nun der Gleisplan in zu überwachende Abschnitte unterteilt werden. Die Trennstellen zwischen den GBM-Abschnitten sind so geschickt zu legen, dass die Rückmeldeereignisse gut mit der Steuerung harmonieren. Beispielsweise fährt ein Zug von der Strecke in den Block “Bahnhofsgleis”. Zunächst wird die Bogenweiche mit dem Abschnitt 22 durchfahren. Dann lösen nacheinander die GBM 21, 20, 15 und 13 aus:

Gleise mit Trennstellen (grün). Die Blöcke setzen sich aus mehreren Abschnitten zusammen; z. B. der Block “Bahnhofsgleis” aus den GBM-Abschnitten 13, 15, 20, 21

Die Trennstelle zwischen Abschnitt 15 und 13 sollte nun so gelegt werden, dass der anhaltende Zug an der richtigen Position stehen bleibt. In der Regel passiert das einen bis wenige Zentimeter nach dem Überfahren der Trennstelle bzw. des Auslösens der Rückmeldung. Ein zu weit fahrender Zug stünde schon wieder auf der Weiche in Abschnitt 9. Ein zu früh auslösender Rückmelder hätte zur Folge, dass noch Wagen auf der Bogenweiche stehen und einen aus dem Durchfahrgleis ausfahrenden Zug blockieren. Letztlich besteht die Kunst also darin, je nach Zuglänge und Geschwindigkeit (Bremsrampe!), Blocklänge und Haltposition geeignete Rückmeldertypen auszuwählen und diese günstig zu positionieren. Das kann bei größeren, aber auch bei kleineren Anlagen durchaus nichttrivial werden. 🙂

Trennstellen

Zur Anschauung hier noch eine typische Trennstelle auf der Doktor Rail-Anlage:

Einseitige Trennstelle (Vordergrund) zwischen zwei GBM-Abschnitten. Im Hintergrund ist die Schiene durchgängig; für die Stromfühler muss nur ein Pol “aufgetrennt” werden

Übrigens: Für Trennstellen dieser Art ist das kleine Schleiftool von Proxxon oder Dremel Dein bester Freund 🙂 . Auch zu knapp bemessene Trennstellen lassen sich nachträglich noch vergrößern.

Wenn sich nun auf beiden Abschnitten kein Fahrzeug befindet, melden beide GBM “frei”.

Trennstelle mit Fahrzeug von rechts kommend. Im Teil A hat die Achse den rechten Abschnitt bereits erreicht: Status “belegt”. Bei B wurde die Trennstelle überfahren und GBM für den linken Abschnitt hat ausgelöst

Fährt ein Fahrzeug von rechts ein, wird zunächst der rechte GBM ausgelöst (Bild A). Beim Überfahren der Trennstelle mit der ersten Achse wird dann der linke GBM auslösen (Bild B). Die Software könnte nun einen Block als erreicht erkennen, den Zug anhalten und die Blockbelegung entsprechend anpassen. Dies ist in virtueller Form bereits im Beitrag Automatisierung mit Rocrail zu sehen.

Aufgrund der hier noch überschaubaren Anlagengröße (Anzahl der Gleisabschnitte < 50) und dem Wunsch nach viel Rangierbetrieb wurden sämtliche Gleisbereiche mit GBMs ausgestattet. So lässt sich zum einen jeder Abschnitt komfortabel überwachen. Zum Anderen gibt es viele Rückmelder, welche für verschiedenste Aufgaben genutzt werden können. Und ganz ehrlich: es sind eigentlich noch viel zu wenige 🙂

Doktor Rail

 



2 Antworten zu “Blöcke & Rückmelder”

  1. Bernd Edeler sagt:

    gut beschrieben

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