Rocrail: Automatische Modellbahnsteuerung

Rocrail: Eine kostengünstige Software zur Modellbahnsteuerung

Rocrail (→www.rocrail.de) ist neben →Win-Digipet und →Traincontroller eine der gängigeren Software-Pakete zur Modellbahn-Automatisierung.

Screenshot der Rocrail-Website

Rocrail bietet eine Fülle verschiedenster Features. Hier alle aufzuzählen würde den Rahmen dieses Beitrags sprengen. Wichtig ist zunächst der günstige Einstieg, denn ohne eine Lizenz kann viel getestet und erster Betrieb gemacht werden. Darüber hinaus ist die Möglichkeit eigener Xml-Scripte eins der Highlights.

Eine mögliche Plattform

  • PC-Hardware (idealerweise mit Touchscreen, um z.B. Weichen “per Finger” zu stellen
  • u.A. mit Windows 10, aber auch ältere Versionen
  • Verbindung zur Zentrale (s.u.) per USB

Verschiedene Arten der Steuerung

Rocrail unterstützt verschiedene Modi, um die Eisenbahn zu steuern:

  •  Manuell:
    • Ohne Softwareunterstützung: einfache Lok- und Magnetartikelsteuerung durch den Bediener (so wie zu “Analog”-Zeiten”)
    • Mit Zugverfolgung: Vorgabe des Ziels, dann manuelles Fahren mit Erkennung der Lok- bzw. Zugposition. Das Stellen von Weichen etc wird dann von Rocrail übernommen.
  • Automatisch:
    • z.B. per Fahrplan, auch zeitliche Auslösung ist möglich
    • per Zielvorgabe (der Weg wird selbst gesucht, “Finder”)
    • “Aquarium-Modus”: Jede Lok bestimmt zufällig ein nächstes Ziel usw., bis sie (manuell) angehalten wird

Unterstützte Zentralen

Was ist eine Zentrale?

Eine Zentrale verbindet die High-Level Software (PC-USB) mit der “Feldbus-Ebene”, sprich der Schienenspannung, welche auch die Digitalinformationen überträgt. Viele Hersteller bieten Zentralen an. Grundfunktionen sind auf nahezu allen Zentralen vorhanden und gleich, zum Beispiel mit Hilfe des →DCC-Protokolls. Wichtig ist jedoch, dass die Steuerungssoftware (Rocrail) die gewünschte Zentrale unterstützt.

Virtuelle Zentrale

Viele Programme bieten die Möglichkeit, den geplanten Betriebsablauf “offline” zu testen. Das bedeutet, die möglicherweise vorhandenen Züge werden gar nicht wirklich gefahren, sondern es wird nur simuliert. So lassen sich z.B. Fahrpläne schnell auf Fehler prüfen.

In Win-Digipet heisst dieses Feature beispielsweise “Büromodus”, in Rocrail läuft es unter “Virtuelle Zentrale”. Im Video wird von dieser Möglichkeit Gebrauch gemacht, damit die Abläufe schneller laufen und der Fokus auf den gezeigten Features ist.

Weitere Rocrail-Features

  • Manuelle Taster/Schalter: Rocrail bietet unendliche Möglichkeiten, in den Betriebsablauf einzugreifen. Manuelle Geber sind hierfür essentiell. Ein Taster kann neben einem Bahnhofsgleis platziert werden, um einen Fahrplan auszulösen.
  • Aktionen (ereignis- oder zeitgesteuert): So gut wie jedes Ereignis in Rocrail kann mit einer Aktion versehen werden. Zum Beispiel kann ein Sound ausgelöst werden, wenn ein Block-Status von “frei” auf “belegt” wechselt und umgekehrt.
  • Xml-Scripting: Durch das freie Programmieren von Bedingungen im Rahmen einer einfachen Programmiersprache sind nahezu beliebige Logiken abzubilden. So können komplexe Zustände erkannt und darauf reagiert werden. Zu beachten ist aber immer, das die grundlegende Steuerung durch Rocrail nicht gestört wird.

Beispiel-Gleisplan

Im Beitrag Vollwertige Spur 1-Anlage auf 12m² habe ich einen Gleisplanentwurf vorgestellt. Hier ist dieser Entwurf als Rocrail-Gleisplan dargestellt:

Gleisplan in Rocrail

Beispiel-Fahrplan

Im Video wird ein Fahrplan gezeigt, den die Lok vom Fiddleyard rechts über das zweite Bahnhofsgleis zum Stumpfgleis führt. Anschließend wechselt die Fahrtrichtung und die Lok fährt in das Ladegleis ein (Gleis 3, hier BhfGl3). Im Gegensatz zum Aquarium-Modus bietet der Fahrplan den Vorteil, dass der Zug genau die vorgegebene Route nimmt. Ist ein Block belegt, wartet die Lok im vorherigen Block.

Beispiel-Aktion

Wie bereits erwähnt, können Aktionen von jeder erdenklichen Zustandsänderung ausgelöst werden. In aller Regel “verfeinern” solche Extras den Betriebsablauf. Zum Beispiel kann eine Bahnhofsansage abgespielt werden, wenn ein bestimmter Zug den Bahnhof erreicht. Im Video wird eine einfache Lampe von rot auf grün gesetzt, wenn der Gleis 2-Block belegt ist.

Beispiel-Aktion-Xml

Xml-Scripte oder auch -Aktionen sind eine Alternative zu Aktionen, die im Programm zusammenzustellen sind. Funktionell sind sie absolut gleichwertig. Bei sehr anspruchsvollen bzw. komplexen Abläufen oder Bedingungen sind Xml-Scripte aber die bessere Alternative, da sie freier und übersichtlicher zu programmieren sind und mit den üblichen Logikelementen (If-Abfragen, Do-Schleifen) zahlreiche Möglichkeiten bieten.

Voraussetzungen für jede gute Modellbahnsteuerung

  • passende Blocklängen
  • ausreichende Anzahl von Rückmeldern
  • “sauber” aufgesetzte Software (Fahrstraßen, Zuordnung von Rückmeldern etc)
  • →Testanlage mit Rocrail (youtube)

In diesem Beitrag kann nur ein sehr kurzer Überblick hierzu gegeben werden.

Eine Anmerkung zum Xml-Scripting

Es ist praktisch möglich, per Rückmelder digitale Eingänge zu erfassen, per Xml-Script zu verarbeiten und dann weitere Abläufe anzustoßen. Wie sich noch zeigen wird, ist diese Möglichkeit für versierte Nuzer sehr hilfreich. →Viele Nutzerbeiträge bei Rocrail zeigen dies.

Fazit

Sehr günstige (eingeschränkt freie) und sehr vielfältige Software. Die Betriebsstabilität ist aus meiner Erfahrung grundsätzlich gegeben. Wenn man aber den “empfohlenen” Lösungsweg für manche Problemstellungen verlässt, kann die Fehlersuche etwas aufwendiger werden. Hier sind andere vollkommerzielle Produkte benutzerfreundlicher. Das wird aber durch das lebendige und kompetente Forum von Rocrail kompensiert. Aus meiner Sicht ist Rocrail ideal für fortgeschrittene Anwender mit gewisser Software-Affinität; insbesondere wenn das Xml-Scripting genutzt werden soll.



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